Nachhaltige Investitionen fördern

Kurzfristige Wetten

Das Problem:

Europa braucht dringend Investitionen in Infrastruktur und Projekte, um nachhaltiges und integratives Wachstum zu fördern. Investoren nehmen jedoch vermehrt eine kurzfristige Perspektive ein, auch weil sie von Finanzdienstleistern dazu ermutigt wurden, da diese direkt von einer höheren Umschlagszahl profitieren. Der ‚Kult der Liquidität‘, den wir heute auf den Kapitalmärkten sehen, macht die Lage nur noch schlimmer: Es wird weniger darauf geschaut, wie ein Investment sich auf lange Zeit entwickeln wird, sondern ob man schnell kaufen und wieder verkaufen kann.

Banken sind und bleiben in der nahen Zukunft die zentralen Anbieter dieser Investitionen/Kredite – selbst wenn sie sich dazu entschließen, ihre Eigenkapitalquote dadurch zu erhöhen, dass sie eher die Kreditvergabe verringern anstatt mehr Eigenkapital aufzunehmen. Bei der Bewertung ihrer Leistung (siehe ‚Dashboard für Bürger‘) sollte der Anteil der langfristigen Kredite für produktive Zwecke unbedingt berücksichtigt werden.

Geregelte Märkte spielen ebenso eine wichtige Rolle. Obwohl sie sich im Vergleich zu den außerbörslichen Märkten während der Krise als verlässlicher erwiesen haben (was der Grund dafür ist, dass es eine Entwicklung hin zu mehr Handel in geregelten Plätzen gibt), haben auch sie massiv dazu beigetragen, dass sich die Wetten (kurzfristiges Spekulieren) im Gegensatz zu den (langfristigen) Investitionen so stark entwickelt haben. Die Profiteure sind wiederum hauptsächlich die Marktinfrastrukturen sowie die Vermittler.

Finance Watch ist der Ansicht, dass Kapitalmärkte vor allem als eine Art Partnervermittlung fungieren sollten, und zwar zwischen jenen, die über freie Finanzmittel verfügen, und jenen, die sie benötigen (Start-Ups, kleine und große Unternehmen, öffentliche Einrichtungen). Diese Partnerschaft sollte langfristig ausgerichtet sein und dabei gewinnbringend für beide Parteien sein. Zwischenhändler sollten diese Partnerschaft erleichtern, und zwar zu geringen Kosten. Wie die Kay Review aufgezeigt hat, ist die Kette an Vermittlern länger geworden, als es nötig wäre, und der Zweck der Marktaktivitäten liegt nunmehr darin, entlang dieser Kette maximale Gewinne zu erwirtschaften.

Während dies für den Finanzsektor gewinnbringend ist, kommen auf andere Sektoren sowie Privatanleger und institutionelle Investoren höhere Kosten zu.

Kleinanleger sind zudem besonders anfällig dafür, schlecht beraten zu werden und für sie unpassende Anlageprodukte zu erwerben. Anlageberater wiederum werden durch Verkaufsziele enorm unter Druck gesetzt, wodurch es für sie sehr schwierig werden kann, die individuellen Befürfnisse des Kunden an erste Stelle zu setzen, so wie es unserer Meinung nach richtig wäre.

Welche anderen Probleme sind noch zu lösen?