Warum Finance Watch?

Finance Watch ist davon überzeugt, dass jeder vom Finanzwesen profitieren sollte, indem das Kapital produktiven Zwecken zugeführt wird, ohne der Gesellschaft insgesamt zu schaden.

Im Sommer 2010 sah sich eine Gruppe von Europaabgeordneten, die seit der Finanzkrise mit immer mehr technischen Gesetzen zur Regulierung der Finanzmärkte befasst waren, mit Kontaktanfragen von Vertretern der Finanzindustrie regelrecht überschwemmt.

Innerhalb dieser Gruppe von 22 Abgeordneten wuchs die Besorgnis, dass eine Unausgewogenheit der Lobbies zu undemokratischen Ergebnissen führen könnte, da Reformvorschläge zur Regulierung der Finanzindustrie auf ihrem Weg hin zur Gesetzwerdung abgeändert wurden. Aus diesem Grund riefen sie parteiübergreifend dazu auf, ein Gegengewicht ins Leben zu rufen. Dieser Aufruf sollte als der „Initial call for a finance watch“ bekannt werden.

Diese Petition fand hohen Anklang und Unterstützung in Brüssel und darüber hinaus. In den darauf folgenden fünf Monaten unterzeichneten mehr als 160 Abgeordnete und gewählte Repräsentanten aus einer Vielzahl verschiedener Parteien und EU-Mitgliedstaaten den Aufruf. Die Liste der Unterzeichner finden Sie hier.

Im Dezember 2010 finanzierten die Europaabgeordneten eine sechsmonatige Untersuchung, ob ein neues, unabhängiges Organ geschaffen werden kann, das Stimme der Gesellschaft in der Finanzreformierung vertritt. Dies führte zu mehr als 120 Treffen von Repräsentanten der Zivilgesellschaft und Organisationen und schließlich zu konkreten Vorschlägen für die Gründung von Finance Watch.

Am 28. April 2011 wurde Finance Watch als Association International Sans But Lucratif (internationaler, gemeinnütziger Verein) nach belgischem Recht eingetragen. Am 30. Juni 2011 trat in Brüssel die Gründungsmitgliederversammlung zusammen, um den Vorstand und die Mitglieder des Ausschusses für Transparenz und Unabhängigkeit zu wählen. Der Vorstand ernannte Thierry Philipponnat zum ersten Generalsekretär von Finance Watch.

Die ersten Mitarbeiter wurden im Herbst 2011 eingestellt und haben die Büroräume am Square de Meeus in der Nähe des Europäischen Parlaments bezogen. Das Team wuchs im Laufe des Jahres 2012 auf 13 Mitarbeiter an.

Im April 2014 zog das Sekretariat in neue Räumlichkeiten in der Rue d'Arlon.

Im Mai 2014 trat Thierry Philipponnat als Generalsekretär von Finance Watch zurück. Benoît Lallemand, damals Co-Head of Policy Analysis bei Finance Watch, übernahm die Position kommissarisch bis Ende 2014. Christophe Nijdam trat seinen Posten als Generalsekretär am 1. Januar 2015 an. Nach seinem Rücktritt Ende 2016 übernahm erneut Benoît Lallemand, Leiter Strategische Entwicklung bei Finance Watch, kommissaritsch den Posten des Generalsekretärs.

Wenn Sie wissen wollen, womit wir uns im vergangenen Jahr beschäftigt haben, lesen Sie unseren Jahresbericht 2016 (auf Englisch).

“Für eine Finanzindustrie, die der Gesellschaft dient” – das ist das Motto von Finance Watch.

Wir wollen ein nachhaltiges Finanzsystem schaffen, das im Dienst der Gesellschaft steht und auf Investitionen statt Spekulation setzt.

Wofür wir uns einsetzen:

  • ein robustes und effizientes Bankensystem, das Kapital für produktive Zwecke bereitstellt, ohne daraus künstlich geschaffenen Profit zu schlagen oder Kreditrisiken auf die Gesamtgesellschaft abzuwälzen, sowie
  • Finanzmärkte, die produktive Investitionen in die Realwirtschaft fördern und gleichzeitig exzessive oder schädliche Formen von Spekulation unterbinden.

Bevor das geschehen kann, müssen Politiker und die Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen, um dem enormen Einfluss und der Dominanz der Finanzlobby ein Ende zu setzen.

Finance Watch wendet sich an die Öffentlichkeit, an Aufsichtsbehörden, politische Entscheidungsträger, Akademiker, Thinks-Tanks, Journalisten und Wirtschaftsexperten sowie Banker und Unternehmer von morgen, um sie von dieser Vision zu überzeugen.

Folgende Maßnahmen sind unserer Ansicht nach nötig, um diese Ziele zu erreichen:

  • der zunehmenden Finanzialisierung der Gesellschaft entgegenwirken;
  • die Kosten der Vermittlungstätigkeit durch die Finanzindustrie senken;
  • ein robustes Bankensystem aufbauen, das im Dienst der Gesellschaft steht und nicht für Missbrauch durch moralisches Fehlverhalten („Moral Hazard“) anfällig ist (auch in einer Bankenunion);
  • ein stärkeres Bewusstsein dafür schaffen, dass die Kredit- und Geldschöpfungsprozesse im Bankensektor bedeutende politische Auswirkungen haben;
  • ein Finanzsystem schaffen, das auf nachhaltige Investitionen setzt;
  • exzessive Spekulation wie Rohstoffspekulation oder Hochfrequenzhandel eindämmen;
  • Ersparnisse in nachhaltige und langfristige Investitionen in die Realwirtschaft lenken;
  • den Finanzsektor wirksam regulieren;
  • die Interessen der Gesamtgesellschaft schützen;
  • Prinzipien moralischen Handelns bei den Finanzmarktakteuren wiedereinführen.

Finance Watch arbeitet nach den folgenden Grundsätzen der Vereinssatzung (auf Englisch):

  • Die Finanzindustrie spielt eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Kapital, im Risikomanagement und als Anbieter von Finanzdienstleistungen. Dies hat starke Auswirkungen auf das gesellschaftliche Gemeinwohl.
  • Die wesentliche Aufgabe des Finanzsystems liegt in der transparenten und nachhaltigen Bereitstellung von Kapital für produktive Zwecke.
  • Das Finanzwesen hat gegenüber der Realwirtschaft eine dienende Funktion. Eine Lage, in der die Wirtschaft dem Finanzwesen unterordnet ist, ist nicht hinnehmbar, da dies erhebliche Schäden innerhalb ökonomischer und sozialer Strukturen hinterlässt.
  • Rentabilität ist zugleich eine legitime Zielsetzung und Voraussetzung für die Nachhaltigkeit von Finanzinstitutionen; das Gewinnstreben darf jedoch nicht zum Nachteil des Gemeinwohls ausfallen.
  • Ein Transfer von Kreditrisiken auf die Gesamtgesellschaft ist nicht akzeptabel.Das übergeordnete Ziel von Finance Watch ist eine ökonomische Gesellschaftsorganisation, in der die Bedürfnisse der Realwirtschaft nach Zugang zu Kapital und Finanzdienstleistungen auf nachhaltige und transparente Weise erfüllt werden.

Das Team von Finance Watch analysiert Gesetzesvorschläge und verfasst Stellungnahmen, die sowohl für politische Entscheidungsträger als auch für die breitere Öffentlichkeit aufbereitet werden. In Arbeitsgruppen tauschen sich Team und Mitglieder aus und koordinieren ihre Aktionen.

Unsere Adressaten:

  • die politischen Entscheidungsträger (Politiker, Bedienstete von Institutionen und Behörden) im Rahmen von Treffen, Veranstaltungen und Anhörungen sowie mithilfe von Positionspapieren, Konsultationsbeiträgen, schriftlichen Stellungnahmen, Reden, Artikeln, Briefen und auf weiteren Kommunikationskanälen.
  • die breite Öffentlichkeit anhand von Newslettern für die “Freunde von Finance Watch”, via Social Media, unsere Website, Cartoons, Blogartikel, Postkarten und nicht-technische Zusammenfassungen, jeweils in drei Sprachen. Die Unterstützung durch die Bevölkerung ist für uns sehr wichtig, da sie das politische Interesse an Finanzmarktreformen stärkt und belegt, warum es mit Finance Watch einen Interessensvertreter der Bevölkerung braucht.
  • die Zivilgesellschaft (Mitglieder und andere zivilgesellschaftliche Organisationen und Bürger) mithilfe von Veröffentlichungen und Expertise. Eine der wichtigsten Aufgaben von Finance Watch ist es, ihnen dabei zu helfen, an den aktuellen Debatten teilzunehmen.

Um trotz begrenzter finanzieller Mittel eine möglichst große Wirkungskraft unserer Arbeit zu erreichen, konzentrieren wir uns auf jene Themen/Dossiers, bei denen wir denken, dass sie von großer Bedeutung für das Gemeinwohl sind und dass wir durch unsere Arbeit einen Unterschied machen können.