Transparenz bei Policen – Faire Prämien statt Diskriminierung

Wir als europäische Bürger haben das Recht auf Gleichbehandlung – theoretisch zumindest.

Laut Artikel 3 ihres Gründungsvertrags bekämpft die Europäische Union

soziale Ausgrenzung und Diskriminierungen und fördert soziale Gerechtigkeit und sozialen Schutz, die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Solidarität zwischen den Generationen und den Schutz der Rechte des Kindes”

In der Praxis sind wir jedoch nicht alle gleich. Versicherer bieten uns unterschiedliche Produkte und Preise an, je nachdem, ob wir männlich oder weiblich, ob wir jung oder alt, ob wir chronisch erkrankt sind oder rauchen.

So funktioniert es: Die Versicherungsgesellschaft benutzt Statistiken über Risiken im Zusammenhang mit Identitätsmerkmalen wie zum Beispiel Geschlecht, Alter und Behinderungen. Sie sammelt Menschen in Gruppen oder segmentiert sie entsprechend dieser Risiken. Für jede Gruppe wird eine Durchschnittsperson und ihre Wahrscheinlichkeit (oder Risikobereitschaft), krank zu werden/einen Unfall zu haben etcetera definiert.

Die Versicherungsprämie errechnet sich dann aus der Risikobereitschaft dieser Durchschnittsperson. Wenn sie also riskanter ist als Sie selbst, zahlen Sie einen höheren Preis für Ihre Versicherung, als angemessen wäre.

In der Europäischen Union wurde diese Form der Preisgestaltung bisher akzeptiert, auch wenn sie im Widerspruch zu ihren eigenen Prinzipien steht.

Umso erfreulicher ist, dass der Petitionsausschuss des Bundestags Handlungsbedarf sieht: Vor zwei Wochen überwies er eine Petition an das Bundesfinanzministerium, um mehr Transparenz seitens der Versicherungswirtschaft bei der Festlegung der Versicherungsprämie zu fordern und somit einer willkürlichen Diskriminierung von Versicherten vorzubeugen.

Mehr Transparenz allein reicht jedoch nicht. Der einfachste Weg, um Diskriminierung zu verhindern, ist ein Bonus-Malus-System, bei dem wir zu Beginn alle den gleichen Standardversicherungspreis zahlen würden. Nur unsere tatsächlichen Schadensersatzforderungen könnten in der Folge zu einer Erhöhung führen.

Wir sollten das Grundprinzip von Versicherungen nicht aus den Augen verlieren: die Gegenseitigkeit. Indem wir unsere unterschiedlichen Risiken über eine Versicherungsgesellschaft bündeln, können wir uns alle auf erschwingliche Weise vor Lebensunfällen schützen.

Mehr dazu in unserem Policy Brief – kurz zusammengefasst im folgenden Video:

Olivier Jérusalmy